Barrenherstellung im Detail



Hochreine Edelmetallbarren sind die am weitesten verbreitete Anlageform für physisches Gold und Silber. Bei der Herstellung von modernen Anlagebarren kommen verschiedene Methoden infrage und der folgende Artikel beschreibt exemplarisch die gängigsten Herstellungsprozesse.


Gold und Silber als Rohstoff - Neu gefördertes Gold fällt häufig als Nebenprodukt bei der Raffination anderer Metalle (z.B. Kupfer oder Zinn) an. Genau wie andere goldhaltige Erze folgt der erste Verarbeitungsschritt zumeist bei den fördernden Unternehmen. Das Rohmetall wird mit unterschiedlichen Feingehalten zu einer groben Barrenform gegossen und gelangt danach in den eigentlichen Scheideprozess.
Eine weitere bedeutende Rohstoffquelle stellt das Edelmetallrecycling dar. Produktionsreste aus der Industrie, edelmetallhaltiger Schrott aber auch ausgedienter Schmuck aus privater Hand werden von spezialisierten Scheideanstalten recycelt und die enthaltenen Edelmetalle werden erneut dem Kreislauf zugeführt.



PAMP Kristallines Feingold

Scheidung und Veredelung - Im ersten Produktionsschritt wird das Rohmaterial (Scheidegut oder Minenproduktion) veredelt (Affination).
Hierbei werden die edelmetallhaltigen Legierungen geschmolzen und homogenisiert. Anschließend beginnt ein mehrstufiges Trennverfahren. Es kommen verschiedene nasschemische Verfahren (Elektrolyse) zum Einsatz und als Endprodukt werden reine Metallkristalle ausgefällt (das Bild links zeigt kristallines Feingold bei PAMP).
Silber in dieser hochreinen Form hat eine dunkelgraue stumpfe Farbe. Gold erscheint unauffällig braun.
Plattiertes bzw. vergoldetes oder versilbertes Scheidegut (z. B. Platinen, Kontakte…) wird direkt in chemischen Trennvorgängen bearbeitet. Auch hier liegt das Endprodukt in reinster kristalliner Form vor.

Heraeus Goldverarbeitung
     Bilder: Heraeus Holding GmbH

Die Bilder oben zeigen kristallines Feingold im Schmelztiegel (links) und die Granalienproduktion im Wasserbad (rechts).

Dieses Edelmetall in Pulverform kann prinzipiell direkt verarbeitet werden.
Aus praktischen Gründen erfolgt aber zumeist ein erneutes Einschmelzen dieser Edelmetallkristalle.
Das flüssige Edelmetall wir anschließend durch ein spezielles Sieb in Wasser gegossen und erstarrt als grobkörniges Granulat (Granalien).

Die so gewonnen Granalien (Bild rechts) können von Industrie und Handwerk direkt verarbeitet werden, dienen aber auch als übliche Ausgangsform für die Münz- und Barrenherstellung.


Goldgranalien von C.Hafner
Bild: C.Hafner GmbH + Co. KG



Die Herstellung von Gussbarren - Das Gussverfahren kommt zumeist bei den größeren Barrengewichten zum Einsatz. Bei Silber und Gold vielfach ab 250 Gramm – Ausnahmen bestätigen hier die Regel. Die kleinsten bekannten Gussbarren in Gold liegen bei spartanischen 5 Gramm (Johnson Matthey Brüssel) und auch Prägebarren mit einem Kilo und mehr sind dokumentiert (z.B. PAMP suisse).
Der größte Gussbarren der Welt bringt stolze 250 Kilo Feingold auf die Waage und wurde als Einzelstück von der Mitsubishi Materials Corporation in Japan gefertigt.

Gussbarren in Gold und Silber
Oben typische Gussbarren in Gold und Silber (C.Hafner, PAMP, Heraeus, DODUCO, Umicore und Argor-Heraeus).


Barrenproduktion bei Heraeus

Bei der Produktion der klassischen Gussbarren wird eine exakt abgewogene Menge an Granalien in eine Gussform gegeben. Diese besteht im Regelfall aus hitzebeständigem Graphit und wird mehrfach verwendet.
Die Granulatkörner werden direkt in der Form geschmolzen und im Anschluss erfolgt ein kontrollierter Abkühlprozess. Das Bild links zeigt die Geburtsstunde eines Heraeus-Goldbarrens.
Typisch für diese Produktionsform sind gewisse Unregelmäßigkeiten in der Form und Abkühlungsringe an der Oberfläche.
Nach Guss und Abkühlphase wird nachgewogen und eventuelles Übergewicht entfernt (analog zu den Eichstrichen bei alten Goldmünzen). Bei vielen moderneren Produktionsabläufen kann auf dieses Justieren verzichtet werden.
Einige Hersteller setzen vor der folgenden Punzierung ein zusätzliches Walzverfahren ein, um die Oberfläche zu glätten. Auch andere Oberflächenbehandlungen werden zunehmend von manchen Barrenproduzenten eingesetzt (z. B. Frosting). Die Punzierung (Herstellerangeben, Gewicht, Feingehalt und geg. Seriennummer) erfolgt teilweise manuell durch Einschlagen (typisch bei älteren Barren) und teils automatisiert.


Die Herstellung von Prägebarren - Kleinere Gewichtseinheiten werden gewöhnlich im Prägeverfahren produziert. Bis auf die quadratische Form und die vorherrschende einseitige Prägung entspricht der Produktionsablauf von Prägebarren dem von Münzen.
Das Edelmetallgranulat wird eingeschmolzen und in Walzmaschinen auf eine exakt definierte Stärke gebracht. Maschinell wird im Anschuss die gewünschte Barrenform ausgestanzt. Man spricht von Rohlingen (bzw. von Ronden in der runden Form). Nach peniblen Qualitätskontrollen werden die Rohlinge in die Prägung übergeben.
Im folgenden Arbeitsschritt werden mit hohem Druck die Barrenform (der typische Randsteg) und das Barrenmotiv eingeprägt. Hierbei wird der Rohling auf einer Passform fixiert und ein Prägestempel drückt die spiegelverkehrte Beschriftung bzw. das Motiv ein.


Muenz Manufaktur Prägebarren Silber
     Bilder: Les Graveurs/Münz Manufaktur

Oben rechts werden Silberrohlinge für Unzenbarren gestanzt. Man erkennt die Stanzreste auf der linken Seite. Im Bild links daneben ein Prägestempel mit spiegelverkehrter Beschriftung.


Entwicklungen und Tendenzen - In den letzten Jahren stieg die Nachfrage, vor allem bei den kleineren Formaten, am privaten und institutionellen Anlagemarkt. Viele Barrenhersteller wirken dem mit neuen Produktionskapazitäten und modernen Herstellungsverfahren entgegen.
Mit Hinblick auf die privaten Anleger setzen einige Scheideanstalten auf neue Sicherheitsmerkmale, aufwendige Verpackungen und Zertifikate und setzen zunehmend Seriennummersysteme bei Kleinbarren ein.
Andere Hersteller verzichten bewusst auf Kosten steigernde Verfahren und positionieren sich mit niedrigen Ausgabeaufschlägen bzw. Herstellungskosten.
Ein weiterer Trend geht zu höheren Feingehalten bei Silberbarren. Der hochreine Rohstoff ermöglicht mehr Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie ohne vorherige Aufbereitung.



Videomaterial zur Barrenherstellung:



Quelle: PAMP SA

Imagevideo über die Barrenproduktion bei PAMP in der Schweiz.


Quelle: PAMP SA

Die maschinelle Fertigung von Gussbarren bei PAMP suisse.



Referenzen und weiterführende Informationen:


DODUCO Edelmetallrecycling
PAMP Edelmetallscheidung (engl.)
Münzmanufaktur Prägebarren
Heraeus - Edelmetallhandel und Scheideanstalt
C.Hafner Recycling
Artikel über die Rondenproduktion bei AGOSI in der MünzenWoche



Kommentare zur Barrenherstellung:


7 Kommentare - » Kommentar eintragen

Sabine W. - 04.08.2015 - 00:21 Uhr  ✪✪✪✪✪
Kann man so was besichtigen?
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Wisser - 27.06.2015 - 15:42 Uhr  ✪✪✪✪✪
Gibt es auch Videos von Deutschen Barrenhersteller?
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Barrenfreund - 09.06.2015 - 21:22 Uhr  ✪✪✪✪✪
Hallo liebes Team der Goldbarren Wiki gibt es auch Videos vom prägen der Barren ein Tipp so etwas habe ich schon bei der Münzmanufaktur gesehen;-)
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Barrenjäger - 01.06.2015 - 14:25 Uhr  ✪✪✪✪✪
Gute Frage.
Ich hab mal bei Heraeus nachgeschaut.
Die müssten es ja wissen und die schreiben:
"Als Granalien oder auch Granulat bezeichnet man Feinmetall, meist Gold und Silber, in Form von kleinen unregelmäßigen Kügelchen. Es wird in der Regel in vernähten Säcken (Silber) oder auch in versiegelten Dosen (Gold) geliefert. Beide Verpackungstypen gibt es in verschiedenen Größeneinheiten. Ein Analysenzertifikat wird stets beigefügt."
Also: man kann wohl beides sagen :-)
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Colli - 08.05.2015 - 23:47 Uhr  ✪✪✪✪✪
Granulat oder Granalien?
Weches ist der richtige Fachbegriff?
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G. Berger - 12.02.2015 - 22:18 Uhr  ✪✪✪✪
Gute Bilder und Videos aber recht oberflächlich. Das Thema ist wesentlich komplexer.
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Tschang - 11.06.2014 - 12:33 Uhr  ✪✪✪✪✪
Sehr guter Beitrag, das Video von Pamp ist sehr interessant.
Vielen Dank dafür!
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